Montag, 28. Mai 2012

[Rezension] Charlotte Roche - Feuchtgebiete

Anmerkung: Diese Rezension ist möglicherweise nicht für Leser unter 18 Jahren geeignet!


Inhalt
Die 18 jährige Helen liegt nach einer missglückten Rasur ihres Hinterteils mit einer Analfissur im Krankenhaus und nutzt die ihr nun zur Verfügung stehende Zeit ausgiebig, um sich mit jeder einzelnen ihrer Körperöffnungen ausführlich zu beschäftigen. Dabei schwelgt sie in Erinnerungen an diverse Sexualpraktiken und Masturbationsversuche und überdenkt ihre ganz eigene Form von Hygiene und Sexualität. Pfleger Robin wird eher unfreiwillig in ihre seltsamen Handlungen mit einbezogen und fotografiert ihr letztendlich sogar den Arsch - schließlich will man ja seine Wunde auch mal selbst sehen...


Zitate
"Also habe ich mich zu einem lebenden Muschihygieneselbstexperiment gemacht. Mir macht es Riesenspaß, mich nicht nur immer und überall bräsig voll auf die dreckige Klobrille zu setzen. Ich wische sie auch vor dem Hinsetzen mit meiner Muschi in einer kunstvoll geschwungenen Hüftbewegung einmal komplett im Kreis sauber. Wenn ich mit der Muschi auf der Klobrille ansetze, gibt es ein schönes schmatzendes Geräusch und alle fremden Schamhaare, Tropfen, Flecken und Pfützen jeder Farbe und Konsistenz werden von meiner Muschi aufgesogen. Das mache ich jetzt schon seit vier Jahren auf jeder Toilette. Am liebsten an Raststätten, wo es für Männer und Frauen nur eine Toilette gibt. Und ich habe noch nie einen einzigen Pilz gehabt. Das kann mein Frauenarzt Dr. Brökert bestätigen."


"Sie hat mir mal erzählt,  dass der Sex mit meinem Vater ihr Schmerzen bereitet habe. Dass sein Penis zu groß für ihr inneres gewesen sei. Diese Information gehört zu dem Wissen, dass ich nicht haben will. Ich wollte mich doch eigentlich auf die Natur draußen konzentrieren. Dadurch kriege ich bessere Laune, als wenn ich über den Geschlechtsverkehr zwischen meinen Eltern nachgrübele. Ich stelle mir leider immer alles ganz genau vor. Und diese Vorstellung ist mir oft sehr unangenehm. Helen, töte diesen Gedanken in Dir."


Fazit 
"Feuchtgebiete" ist der Debütroman der Autorin Charlotte Roche. Tjaa, was soll man als anständiges Mädchen von heute dazu noch sagen? Lange lange Zeit habe ich nur mit diversen Gerüchten und Halbwahrheiten bezüglich dieses Buches gelebt und irgendwann beschloss ich dann: Es reicht - ich überzeuge mich jetzt einfach mal selbst. Als Rezensent ist es allerdings schwer dieses Buch in irgendeiner Form zu bewerten, vorallem da die Praktiken, die die gute Helen anwendet einfach nur widerlich und abstoßend sind, das Buch meiner Ansicht nach jedoch nicht verurteilt werden kann und sollte, denn hier hat sich einfach mal jemand die Mühe gemacht sämtliche Tabu's der heutigen Gesellschaft in einen Topf zu packen, ordentlich umzurühen und zum Schluss nochmal in die Suppe zu spucken. Im großen und ganzen ist das ganze Buch eine reine Provokation, eine Aneinanderreihung von "tabuisierten" Themen, ohne Beschönigungen und möglichst anschaulich beschrieben. 


Alles was man von "Feuchtgebiete" so hört ist wahr: Es ist widerlich, ekelhaft und übertrieben, abgehoben und äußerst wahrscheinlich, dass es auf der Welt niemanden gibt der so ist wie Helen - zumindest nicht zu 100%. Trotzdem bin ich der Ansicht, dass uns die gute Charlotte Roche mit diesem Buch nicht nur einen "Tabu-Schocker" verpassen wollte, sondern uns auch etwas ganz anderes mitteilen wollte: Schämt euch nicht für die natürlichsten Vorgänge, nicht für's Urinieren, Masturbieren, Stuhlgang haben (ob zuhause oder der öffentlichkeit), für's Nase bohren oder das Kratzen am Hinterteil - wenn's sein muss, muss es sein. Im Grunde ist das ganze nichts anderes als ein Hinweis darauf, dass wir das, was wir zuhause im Verborgenen tun, genauso gut auch gut draußen tun könnte ohne uns zu schämen - aber da spricht ja wieder die Norm und der Anstand dagegen. Natürlich wird das ganze auf eine Art und Weise dargestellt, die jeden von uns wahrscheinlich eher anwidert, doch im großen und ganze soll uns wohl so eine Botschaft überbracht werden.


Helen ist eine mehr als ausergewöhnliche Person, sie bricht alle Tabu's, alle Normen, alles was für jeden halbwegs hygienischen Menschen einen Standard darstellt, ist für Helen schon übertrieben. Sie wäscht sich nach dem Toilettengang nicht die Hände, wischt mit ihrem intimsten Körperteil über öffentliche Toiletten, betrachtet getrocknete Spermareste unter den Fingernägeln als "Sexandenkenkaubonbon" und findet, dass die "amerikanische Tamponindustrie" die reinsten Ausbeuter sind. Den Pfleger Robin lässt sie Bilder ihres frisch operierten, offenen Hinterteils machen und ist enttäuscht als die Bilder verschwommen sind, Die Kerne ihrer Avocadozucht führt sich die 18 jährige gerne auch mal ein und wenn gerade kein Mann zur Verfügung steht vergnügt sie sich auch schonmal mit dem Griff des Rasierers.  Die Methode die Helen wählt um ihre Eltern wieder zusammenkommen zu lassen (also der reine Versuch) ist erschreckend und vorallem an diesem Punkt saß ich wirklich mit zusammengekniffenen Augen und schmerzverzerrtem Gesicht auf der Couch - ich konnte es mir einfach zu gut vorstellen, was da vor sich ging. Alles in allem hätte sich wohl kein passenderer Titel als "Feuchtgebiete" finden lassen können, vorallem weil sich Helen überausführlich über ihren Ausfluss und sonstige Körperflüssigkeiten auslässt, einschließlich Farbe, Konsistenz und Geschmack. 


Der Roman wurde in sehr offenen und ehrlichen Worten beschrieben, er beschönigt nichts und die Worten beschreiben sehr deutlich was gemeint ist - es wird niemals auch nur etwas ansatzweise beschrieben. Die Kapitel sind ausreichend lang und der Schreibstil hat trotz der Thematik etwas packendes. Trotzalledem kann ich dem Buch nur 4 Sterne geben, begründen kann ich es jedoch nur folgendermaßen: Ein 5 Sterne Buch muss mich einfach umhauen - Feuchtgebiete schafft es zwar, mich irgendwie zu überrumpeln, vollends begeistern konnte es mich jedoch leider nicht.


Wertung: 4 von 5 Sternen!

Kommentare:

  1. haha :D
    hier hat sich einfach mal jemand die Mühe gemacht sämtliche Tabu's der heutigen Gesellschaft in einen Topf zu packen, ordentlich umzurühen und zum Schluss nochmal in die Suppe zu spucken :D
    ^^ ich werd wohl weiterhin einen Bogen um das Buch machen, aber ich hab mich bei deiner Rezension ziemlich abgekekst :)

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  2. Heyyy ^^

    ach, als ich eben im Blogger-Dashi gesehen habe das du das Buch rezensierst musste ich direkt fett grinsen :) *seufz* Ich habe das Buch gekauft! Jawohl! Es vor einigen Jahren gelesen! Jawohl! Schämen tu ich mich da sicher nicht für, ich war wie du neugierig und ich muss sagen diese wurde ja mehr als befriedigt ^^ Wuha ich kann mich gut daran erinnern:

    Nach den ersten Seiten war ich schon dermaßen angeekelt, aber ja, Helesen verkörpert Das, was einzelne Frauen so in der Freizeit (oder Schule ^^ jammi) machen :) Warum nicht einfach mal öffentlich schreiben, ich sehe es auch so wie du, es ist sicherlich einiges ekelich und würde unsere Hemmschwelle sprengen. Aber im Grunde ist es wirklich so das sich die heutige Gesellschaft einfach mal übelst anstellt.

    Wenn jemand nackt draußen rumlaufen will, ohne dabei andere an zu fassen oder so, einfach nur rumlaufen, würde mich das nicht stören, ich meine, früher haben wir Kleidung zum Schutz vor Kälte etc. angezogen, nicht, weil wir uns schämten oder uns das irgendwann eingeredet wurde ^^

    Finde das Buch top ^^

    LG
    Romi

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  3. Ha, ich sehe schon, beim Bewertungssystem sind wir uns recht ähnlich :D

    Um das Buch habe ich bisher immer einen Bogen gemacht, einfach weil ich das Thema nicht ansprechend finde und ich darüber kein ganzes Buch lesen muss. Wie du ja weißt, blutige Bücher, in denen auch immer ein kleiner Teil vorkommt, ziehe ich dem allemal vor. Aber ich denke da wie du: sie wollte nicht einfach nur ein Buch schreiben, in dem jedes Tabu gebrochen wird, sondern auch etwas mitteilen - was ja auch zu ihrer Person passt.

    Danke übrigens für den Tip - habe mir das Buch direkt gekauft, mein Kindle dankt :D

    Dir auch einen tollen, freien Tag!

    Liebe Grüße (an Spamlumpy, hahaha, wie bist du denn DA drauf gekommen?)
    Marleen

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  4. Hallo,
    Du wolltest ja wissen ob Lumi was im Dunkeln bringt. Ich habe es getest, nur für dich und war selbst überrascht wie hell dieses kleine Lämpchen werden kann. Also zum Lesen im Dunkeln wenn neben einem einer schläft oder man kein großes Licht anmachen möchte wirklich topp. Aber was bei mir der Fall war, war das mir die Augen nach längerer Zeit angefangen haben zu brennen, das war nicht wirklich schön. Könnte aber auch an meinen empfindlichen Augen liegen die wirklich sehr schlecht sind und ich starke Brillengläser habe. Ich denke das jemand der sehr gute Augen hat, da noch besser zurecht kommt.

    LG Jessi

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