Sonntag, 23. Juni 2013

[Rezension] Christine Spindler - Mond aus Glas

Inhalt
Stella, Lunas Zwillingsschwester, starb bei einer Tumoroperation. Seitdem ist jeder mit seiner Trauer überfordert. In der Ehe der Eltern krieselt es und Luna träumt ständig von Stella. Als die Familie Jannick dann umzieht, lernt Luna einen Jungen kennen: Finn Drostenhagen. Dadurch verändert sich ihr Leben von Grund auf - denn auch Finn ist etwas ganz besonderes und mit ihm lernt sie, ihr Leben und ihre Gaben zu verbessern / erkennen...


Erster Satz des Buches
"Luna Jannick hockte in Mantel und Stiefeln auf der Holztreppe im Windfang und schaute ohne Eile zu, wie Tante Evi den Reißverschluss ihres taubenblauen Anoraks einfädelte und dabei Amazing Grace summte, ihr Anziehlied."

Zitate 
"Wir haben gelernt, unsere Träume als Potenzial zu sehen. Einige Träume sind wahr geworden, andere sind gestorben. Glück bedeutet nicht, alle seine Träume zu verwirklichen, sondern genug Träume zu haben, um der Realität immer wieder ein Stück vorausfliegen zu können."

Fazit
"Mond aus Glas" ist ein Roman der Autorin Christine Spindler. Aufmerksam geworden bin ich auf diesen Roman dadurch, dass sie mir ein Rezensionsexemplar anbot, das ich gerne annahm, besonders weil mich die Thematik sehr interessierte. 

Ursprünglich hielt ich dieses Buch eher für ein wenig düster und traurig, gerade weil es um die Trauerphase nach dem Tod eines jungen Mädchens geht. Überraschenderweise taucht man jedoch in eine scheinbar recht "intakte" Familie ein, ein Schein, der sich jedoch nur solange hält, bis man mehr hinter die Fassade blicken kann. Vera Jannick, die Mutter von Luna und Stella, dem verstorbenen Mädchen, verweilt noch tief in ihrer Trauer und versucht sie durch ihre Kunstwerke auszuleben - denn Vera besitzt eine eigene Galerie und malt erfolgreich Bilder. Sie schottet sich oft von ihrem Mann und ihrer Tochter ab, da ihr jede Form der positiven Gefühle ein schlechtes Gewissen bereitet - und sie das Gefühl hat, dass die Trauer nur verdrängt wird. Obwohl Stella's Tod bereits 2 Jahre her ist, kann sie nicht im mindesten loslassen, eine Tatsache, die das Familienleben nachhaltig beeinträchtigt. Mit ihrer besten Freundin Jackie, einer sehr flippigen und stilvollen Frau, spricht sie oft ausführlich über ihre Sorgen und Ängste und diese hilft ihr oft wieder zurück, auf den rechten Weg. In Veras Gefühlswelt konnt ich mich wahnsinnig gut einfinden, auch wenn ich selbst niemals einen derartigen Verlust erleiden musste. Ihre Trauer sitzt tief und die Angst, dass sie ihrer Tochter nicht gerecht wird, wenn sie aufhört zu trauern, ist in ihrem Denken stets verankert, was ihr ihr weiteres Leben nicht unbedingt lebenswerter und einfacher gestaltet. Jackie war mir, trotz ihrer vereinzelten Auftritte, ebenfalls sehr sympathisch, besonders als man sie durch ein Gespräch noch etwas besser kennenlernt und sieht, dass hinter den Menschen oft noch mehr steckt, als uns zu Anfang bewusst ist. 


Ehemann Urban leidet zwar sehr unter der Trauer seiner Frau, versucht aber trotzdem die Familie zusammenzuhalten und seine Frau wieder ein wenig ins Leben zurückzuholen. Ihre Trauer nimmt er ihr nicht übel, auch wenn er deutlich spürt, dass sie sich von ihm entfernt. Genau aus dieser Tatsache heraus war mir Urban äußerst sympathisch und macht ihn für mich zu einem wunderbaren Menschen.

Im Hause der Familie Jannick wohnt auch noch Vera's autistische Schwester Evi, um die sich die ganze Familie kümmert. Evi fand ich herzallerliebst, besonders wegen ihrer außergewöhnlichen Art. Für Evi muss alles in geregelten Bahnen verlaufen und für alles braucht Evi ein "Lied", dass sie summen kann. Das gibt ihr Sicherheit beim Ausführen einzelner Tätigkeiten. Ganz anders, als manch einer vielleicht denken würde, halte ich Evi für eine sehr intelligente Frau, auch wenn sie es vielleicht nicht so zum Ausdruck bringen kann, wie manch einer von uns das tun würde. Mit Gefühlen kann sie nur wenig anfangen und trotzdem erscheint sie niemals kalt und gefühllos, sondern findet oftmals trotzdem die richtigen Worte.

Luna, die Tochter der Familie und Zwillingsschwester der verstorbenen Stella, wird von anderen wohl als etwas seltsam angesehen, einfach weil sie ihre eigenen Denkweisen und Prinzipien hat und mit Vater Urban liebend gerne über alles philosophiert. Gerade diese Gespräche zwischen den beiden fand ich oft außergewöhnlich interessant, denn genau wie die beiden denke ich auch manchmal über die verschiedensten Dinge zwischen Himmel und Erde nach und freue mich immer, wenn ich für diese Gedanken die ein oder andere Anregung bekomme. 

Die Familie Drostenhagen, bestehend aus Marianne, Finn und Motte (eigentlich Charlotte), ziehen schließlich in das Örtchen, in dem Familie Jannick wohnt - so lernen sich Finn und Luna schließlich kennen. Marianne Drostenhagen ist ein sehr bemutterndes und klammerndes Wesen von Frau und obwohl sie es eigentlich nur gut meinte, ging sie mir stellenweise doch schon sehr auf die Nerven. Sohn Finn, ein sehr netter junger Mann, leidet an der Bluterkrankheit und wird deswegen von seiner Mutter extrem behütet und beschützt. Finn ist genervt von seiner Mutter, doch bis er sich endlich traut, ihr die Meinung zu sagen, vergeht doch einige Zeit. Wie er mit Luna umgeht, als er sie kennenlernt, ist einfach wunderbar und die beiden ergänzen sich perfekt. Sie zeigen sich gegenseitig neue Welten und durch sie entwickelt Finn ein ungeahntes Selbstbewusstsein. Tochter Motte ist ein engergisches und sehr willensstarkes junges Mädchen, dass mich mehr als einmal zum lachen gebracht hat und von deren Durchsetzungsvermögen sich der ein oder andere eine ganze Scheibe abschneiden könnte.

Die Geschichte der Familie Jannick, die sich mal mehr, mal weniger mit der Geschichte der Drostenhagens vermischt bzw. abwechselt, ist eine wunderbar tiefsinnige Geschichte mit ein bisschen Übersinnlichem, viel Alltäglichem und dem Hauch des besonderen. Sie erzählt von Begegnungen, Verlusten, neuen Erkenntnissen und davon, wie sehr manche Ereignisse im Leben einen prägen und dazu führen können, dass sich alles verändert, nichts mehr so bleibt, wie es einmal war. Während des Lesens begegnen uns wunderbare und einzigartige Charaktere, die so toll miteinander harmonieren, wie ich es lange nicht mehr erfahren durfte und deren Persönlichkeiten nicht nur oberflächlich dargestellt werden. Insgesamt kann ich diesen Roman uneingeschränkt empfehlen: Er bringt zum Lachen, manchmal zum Weinen und auf jedenfall zum Nachdenken und begeistert mit seinem flüssigen Schreibstil, der einen nur so über die Seiten hinwegfliegen lässt.

Wertung: 5 von 5 Sterne!

Ein herzliches Dankeschön an die Autorin, die mir dieses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat!


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