Donnerstag, 24. Oktober 2013

[Rezension] Heike Eva Schmidt - Die gestohlene Zeit

Inhalt
Wir schreiben das Jahr 1986 und die Studentin Emma begibt sich als Betreuerin mit auf eine Klassenfahrt einer zwölften Klasse. Tief in den Bergen ergibt es sich nun, dass Emma und zwei ihrer Zöglinge auf einen Zwerg treffen - dessen Existenz die drei komplett verwirrt. Durch einen Zufall findet Emma dann schließlich einen goldenen Ring, den der kleine Mann verloren zu haben scheint, doch das Glück ist ihr nicht lange hold - Udo, einer ihrer Schüler entreißt ihr das Schmuckstück und türmt, seinen besten Freund Frank im Schlepptau. Bald darauf tauchen einige Zwerge auf und entführen die Studentin ins tiefe Bergreich, zu ihrem König Laurin, denn er ist der Meinung, sie sei seine verloren geglaube Braut. Die Hochzeit wird angesetzt und nun kann Emma nur noch ein Wunder helfen...

Erster Satz des Buches
"Sie kamen."

Zitate
" >Sag mal, Udo, bist Du eigentlich in der fünften Klasse von der Baumschule aufs Gymnasium gewechselt?<, fragte ich im freundlichen Plauderton.
>Hä, wieso?<, sprang Udo prompt darauf an. 
>Na ja, irgendwo müssen solche Gehirn-Bonsais wie Du ja wachsen.<, gab ich zur Antwort."

"Doch was schließlich mit einem unwilligen Laut hinter den Körben auftauchte, war kein Zwerg. Es war Thomas Anders vom Duo Modern Talking. Das war jedenfalls mein erster, flüchtiger Eindruck im dämmrigen Licht, dass ein paar rauchende Talglichter spendeten. Endlich war klar, wo er nach der Trennung von Dieter Bohlen geblieben war, ging mir durch den Kopf."

Fazit 
"Die gestohlene Zeit" ist ein Roman der Autorin Heike Eva Schmidt, von der ich vor einiger Zeit den Roman "Purpurmond" mit Begeisterung las und rezensierte (*klick* )! Als der Verlag Droemer Knaur mir nun vor einigen Monaten eine Pressemitteilung schickte und mir darin nun "Die gestohlene Zeit" als Rezensionsexemplar anbot, sagte ich natürlich begeistert zu!

In dem Roman geht es auch dieses Mal wieder fantastisch zu, dieses Mal befinden wir uns jedoch nicht im Reich der Hexen, sondern in dem der Zwerge. Eigentlich mag ich solch typische "Zwergen-Romane" ja nicht so gerne, doch ich war mir sicher, dass mir der Roman von dieser Autorin zusagen würde - und ich sollte rechtbehalten! "Die gestohlene Zeit" ist keiner dieser Romane, in der man sich nur in der Zwergenwelt befindet, viel mehr begleiten wir die Studentin Emma auf ihrer Reise durch die Berge und ihr zufälliges Zusammentreffen mit dem Zwergen und schließlich dem König, Laurin. Dieser hat nichts eiligeres zu tun, als Emma ehelichen zu wollen, da er sie 
für seine entlaufene Braut Similde hält, deren Geschichte wir direkt zu Beginn des Buches erzählt bekommen. Doch da kennt er Emma schlecht, denn sie versucht mit allen Mitteln und Wegen dem Zwerg zu entkommen, mit Hilfe des Koches Jonathan, der ihr in den tiefen des Berges begegnet. Durch einen tückischen Kniff gelingt es den beiden schließlich, dem bösartigen Zwergenkönig zu entkommen, doch in ihrer Welt erwartet sie eine Überrschung: in den paar Tagen, die in der Zwergenwelt vergangen sind, vergingen in der Oberwelt ganze 30 Jahre! Schwer geschockt versuchen die beiden nun in der "neuen Welt" zurechtzukommen, was auf Grund der neuen Technologien nicht ganz einfach ist und den Leser das ein oder andere Mal zum schmunzeln bringt! Außerdem werfen die Stunden an der Oberwelt noch einige Überraschungen auf, mit denen die beiden erst einmal zurechtkommen müssen - denn bei ihrer Flucht aus dem Berg wurden sie beide von König Laurin verflucht und nur der verlorene goldene Ring kann sie retten...

So begeben sich die beiden auf die Suche nach Emmas alten Freunden und Bekannten, die ihnen nicht nur dabei helfen sollen, im neuen Jahrtausend zurechtzukommen, sondern auch das wertvolle Schmuckstück zu finden!

Emma war mir direkt sympathisch, sie wirkt offen und Kontaktfreudig und ihr Humor, den sie hin und wieder an den Tag legt, lässt den Leser doch mehr als einmal schmunzeln, oder gar auflachen (siehe Zitate). Sie lässt sich durch nichts unterkriegen und man kann sich wunderbar in sie hineinversetzen! Koch Jonathan, den sie im Reiche von König Laurin kennenlernt, stiehlt ihr Herz schneller, als es ihr bewusst ist und genau das macht die zarte Lovestory, die sich zwischen den beiden entwickelt, so überaus realistisch und authentisch. Jonathan, der schon sehr lange in den Bergen, bei den Zwergen haust, wirkt zwar anfangs etwas seltsam, taut jedoch nach und nach immer mehr auf und mogelt sich so direkt ins Herz eines jeden Lesers!

Emmas beste Freundin Caro, mit der sie vor der Reise in die Berge im Studentenwohnheim ein Zimmer teilte, lernen wir erst sehr spät im Buch persönlich kennen, ihre Tochter Lilly vertritt sie jedoch wunderbar und wenn man Emmas Beschreibungen glauben schenkt, so hat man mit Lilly die jüngere Ausgabe von Caro vor sich sitzen. Beide sind von ihrer Art her nicht nur herzensgut, sondern auch bereit, alles für Emma zu tun und ihr mit allen Mitteln und wegen zu helfen.

Die Schüler Udo und Frank, sowie der Lehrer, Herr Spindler, spielen sowohl in den 1986'er Szenen, als auch in der Gegenwart (in dem Fall allerdings 2014) eine große Rolle. Während die ersten beiden nahezu abstoßend sind, obwohl sie sich in ihrer Art her keinesfalls gleichen, ist Lehrer Spindler ein herzensguter und humorvoller Mann, den ich mir als Leser hin und wieder gut als Opa vorstellen konnte, den man einfach nur lieb haben muss!  

König Laurin und sein Gefolge fand ich sehr interessant, denn nicht nur das Aussehen der, scheinbar überaus hässlichen, Gestalten wird detailgetreu beschreiben, sondern auch das Verhalten und die - nenne wir es mal - "Wohnsituation". Ich persönlich konnte mir diese grässlichen Biester jedenfalls richtig gut vorstellen und auch die Idee, die mit dem Rosengarten verbunden ist, bzw. wie Emma überhaupt in Laurins Reich gelangt, fand ich äußerst einfallsreich. 

Insgesamt kann ich euch diesen Roman nur wärmstens empfehlen, denn er entspricht genau dem, was man von einem guten Fantasyroman erwartet: er ist spannend, etwas übersinnlich, hat sehr sympathische Charaktere, viel Humor und einen wundervollen Sprachstil. Die Autorin hat sich mit diesem Roman wieder selbst übertroffen und ich bin gespannt, was uns in Zukunft noch erwarten wird!

Wertung: 5 von 5 Sternen!

Ein herzliches Dankeschön an den Droemer Knaur Verlag, für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplares!

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