Mittwoch, 25. Juni 2014

[Rezension] Lori Nelson Spielman - Morgen kommt ein neuer Himmel

Inhalt
Laut Brett's Mutter ist die 34-jährige mit ihrem Leben nicht glücklich, trotz Freund, Wohnung und tollem Job. Da sie im Sterben liegt, beschließt sie kurzerhand, etwas an dem Leben ihrer Tochter verändern zu wollen und hinterlässt ihr, mit ihrem Testament eine 20-jahre alte Liste mit Lebenszielen, die sie als 14-jährige verfasst hat, sowie einige Briefe. Nur wenn sie diese Liste überdenkt und einige Dinge ihres Lebens wieder nach diesen Zielen ausrichtet, wird sie ihr rechtmäßiges Erbe erhalten!

Erster Satz des Buches

"Stimmengemurmel dringt durch das Treppenhaus hinauf, undeutlich, irritierend, fern."

Zitate

"Meine liebe Brett, vielleicht kannst Du Dich an die Geschichte von dem alten Mann auf der Suche nach dem Glück erinnern, die ich Dir immer erzählt habe. Er wandert durch die ganze Welt, fragt jeden, den er trifft, ob er ihm das Geheimnis eines glücklichen Lebens verraten könne. Aber niemand kann ihm sagen, was das Geheimnis ist. Schließlich trifft der alte Mann einen Buddha, der bereit ist, ihm das Geheimnis zu verraten. Der Buddha beugt sich vor und nimmt die Hände des alten Mannes in seine. Er schaut ihm in die müden Augen und sagt: >Tue nichts schlechtes, tue immer nur Gutes.< Der alte Mann ist verwirrt. >Aber das ist zu einfach! Das wusste ich schon mit drei Jahren!< >Ja<, sagt der Buddha, >mit drei Jahren wissen wir das alle. Aber mit achtzig haben wir es vergessen."

Fazit

"Morgen kommt ein neuer Himmel" ist der erste Roman der Autorin Lori Nelson Spielman. Aufmerksam geworden bin ich auf dieses Buch, als ich mit meinem Freund einkaufen war und mal wieder in der Bücherecke eines Supermarktes stöberte. Spontan fiel mir der doch etwas lustige Name der Hauptprotagonistin auf und ich konnte mir einige Witzchen diesbezüglich nicht verkneifen. Trotzdem ging mir dieses Buch irgendwie nicht mehr aus dem Kopf und meinem Freund offensichtlich auch nicht, denn er schenkte es mir kurz darauf zum Geburtstag.

Zu Beginn des Buches befindet sich unsere Hauptprotagonistin Brett in ihrem Elternhaus, in dem gerade die Trauerfeier zu Ehren ihrer Mutter abgehalten wird. Im Zimmer ihrer Mutter schwelgt sie in Erinnerungen und versucht, Herr über ihre Trauer zu werden, was ihr jedoch nur mit Hilfe von viel Champagner gelingt. Ursprünglich kaufte Brett's Mutter diesen Champagner, um den Sieg über ihre Krebserkrankung zu feiern, dies blieb ihr jedoch leider verwehrt.

Natürlich lässt es sich Brett nicht nehmen, auch stark alkoholisiert der Trauerfeier beiwohnen zu wollen, was unwillkürlich zum Fiasko führt. In ihren hohen Schuhen, die ihr plötzlich zu klein zu sein scheinen, stolpert sie, segelt in hohem Bogen die Treppe hinab und verliert das Bewusstsein. 


Glücklicherweise bleibt sie jedoch unverletzt und ihre Schwägerinnen beteuern den Gästen gegenüber, dass es sich um einen Schwächeanfall handelt, wodurch Bretts kleines Alkoholdesaster zumindest unbemerkt bleibt. Gerade wegen dieses kleinen Zwischenfalls war mir Brett sofort sympathisch, denn jeder kann wohl ihre Gefühlslage in dieser Situation verstehen und auch, wenn ihr Alkoholkonsum keine Lösung für ihre Probleme ist, so bemerkt man dadurch wie verzweifelt und traurig sie eigentlich ist. Zusätzlich besitzt ihr betrunkenes ich eine gehörige Portion Charme, was den Leser das ein oder andere Mal heftig schmunzeln lässt. Irgendwie mag man Brett einfach von Anfang an: zuerst begegnet sie uns als Frau, die sich gut und gerne einredet, wie glücklich sie mit ihrem momentanen Leben ist, im laufe des Romanes fällt uns jedoch immer mehr auf, wie unrecht sie damit hatte und sie entwickelt sich immer mehr zu einer taffen jungen Frau, die genau weiß, was sie will und dies auch genauso umsetzt. Für sie ist dieser Prozess ein langer und steiniger Weg, doch er lohnt sich! 

Als sie einige Tage später der Testamentseröffnung beiwohnt, muss sie erkennen, dass sie sich umsonst darum gesorgt und darauf gefreut hat, die Firma ihrer Mutter zu übernehmen, denn dieser Posten wird ihr von ihrer Schwägerin abgenommen, die nicht nur die Aktienanteile von Brett's Mutter, sondern auch den Geschäftsführerposten erbt. Zutiefst gekränkt zieht sie sich in ein Schneckenhaus zurück und kommt erst wieder hervor, als sie der Notar, Brad Midar, zu einem Gespräch unter 4 Augen bittet. Er legt ihr eine alte Liste mit Lebenszielen vor, die Brett vor 20 Jahren selbst verfasst und dann verworfen hatte. Brett's Mutter wünschte sich, das Brett diese Liste wieder an sich nimmt und versucht, die darauf erwähnten Ziele (in leicht abgewandelter Variante) zu erreichen. Brett hält ihre Mutter zuerst für verrückt, beschließt allerdings, es zu versuchen - auch wenn sie dafür ihr komplettes Leben umkrempeln muss. Um dem ganzen die Krone aufzusetzen, setzte Elizabeth auch noch eine Frist fest, bis zu der Brett diese Liste fertig bearbeitet haben muss: September des nächsten Jahres - genau 1 Jahr. Erst dann erhält sie ihr rechtmäßiges Erbe. Nach jedem erfüllten Ziel soll Brett einen Brief bekommen, in dem Elizabeth zu ihrer Tochter "spricht", was natürlich einen weiteren Anreiz für die Hinterbliebene bietet. Als Brett von den Absichten ihrer Mutter erfährt, ist sie nicht nur geschockt, sie hält ihre Mutter auch für vollkommen verrückt. Laut eigener Aussage ist sie mit ihrem Leben vollends glücklich und ihre Mutter versucht nur, darin herumzupfuschen! Trotzdem ist sie sich bewusst, dass ihre Mutter immer nur ihr bestes wollte und so beschließt sie, der Sache auf den Grund zu gehen. 

Die "Konversationen", die per Brief zwischen Elizabeth und Brett stattfinden, sind nicht nur herzerweichend, sondern auch witzig, traurig und lehrreich zugleich, für den Leser, wie auch für Brett. Man lernt so einiges aus den Gedanken der alten Dame und schnell wird klar, dass sie sich schon vor ihrem Tod wahnsinnig viel Gedanken (und Sorgen) um das Leben ihrer Tochter gemacht hat. Genau das finde ich unglaublich berührend und besonders wenn man die Vorgänge in Bretts Leben betrachtet, die sich in der Zeit ereignen, in der sie versucht dieser Liste gerecht zu werden, bemerkt man, wie recht Elizabeth eigentlich hatte. Auch wenn Brett stellenweise wohl etwas zu stur an die Erfüllung der Ziele herangeht und zu vehement versucht sie zu erfüllen, so vollzieht sich an anderen Stellen ganz unwillkürlich eine Veränderung. Wir brauchen Veränderungen in unserem Leben, sonst wird unser Leben langweilig und eintönig. Dieses Buch bietet uns wunderbar Gelegenheit dazu, unsere momentane Situation noch einmal zu überdenken und uns zu fragen: Bin ich glücklich, mit dem was ich tue?

So verfolgen wir in diesem Buch also den Werdegang einer jungen Frau, die zuerst nichts weiter will, als den letzten Wunsch ihrer Mutter zu erfüllen und auf diesem Wege die besten Grundsteine für ein erfüllteres und glücklicheres Leben legt. Wir verfolgen viele positive, wie auch negative Erlebnisse und Ereignisse in ihrem Leben, erleben Rückschläge, wie auch Fortschritte und hoffen dabei stets, dass sie am Ende ihr persönliches Glück finden wird. Vielleicht versetzt man sich als Leser oft ein bisschen zu sehr in ihre Lage und ich persönlich schweifte manchmal beim lesen ab und dachte darüber nach, wie ich in dieser oder jener Situation wohl handeln würde. Wie würde ich mich fühlen, was empfände ich als richtig? Und: bin ich jetzt in diesem Moment mit meiner eigenen Situation glücklich? Dies und so vieles mehr vermittelt uns dieses wundervolle Buch und ich kann es euch nur ans Herz legen und euch bitten: lest es.

Wertung: 5 von 5 Sterne!

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