Samstag, 31. Mai 2014

[Rezension] Jojo Moyes - Eine Handvoll Worte

Inhalt
"Du sollst wissen, dass du mein Herz in deinen Händen hältst. 1960. Jennifer Stirling müsste eigentlich glücklich sein: Sie führt ein sorgloses Leben an der Seite ihres wohlhabenden Mannes. Doch ihr Herz gehört einem anderen – und er bittet sie, alles für ihn aufzugeben. 2003. Ellie Haworth hat ihren Traumjob gefunden: Sie ist Journalistin bei einer der führenden Zeitungen Londons. Eigentlich müsste sie glücklich sein. Doch der Mann, den sie liebt, gehört einer anderen. Eines Tages fällt Ellie im Archiv ein Jahrzehnte alter Brief in die Hände: Der unbekannte Absender bittet seine Geliebte, ihren Ehemann zu verlassen und mit ihm nach New York zu gehen. Als Ellie diese Zeilen liest, ist sie erschüttert. Was ist aus den beiden und ihrer Liebe geworden? Sie stellt Nachforschungen an und stößt auf Jennifer: eine Frau, die alles verloren hat. Alles, außer einer Handvoll kostbarer Worte. Wer die Liebe nicht kennt, kennt nichts. Wer sie hat, hat alles." (Kurzbeschreibung von www.amazon.de)

Erster Satz des Buches
"Ellie Haworth hat ihre Freunde in der dichtgedrängten Menge entdeckt und bahnt sich einen Weg durch die Bar."

Fazit 
"Eine Handvoll Worte" ist ein Roman der Autorin Jojo Moyes. Da ich letzten Monat mit Begeisterung ihren Roman "Ein ganzes halbes Jahr" verschlungen habe, musste ich mir dieses Buch jetzt auch unbedingt zulegen!

Schlagen wir die erste Seite auf, so werden wir ins Jahr 2003 entführt, in dem Ellie Haworth gerade auf dem Weg zu ihren Freunden ist, die in einer Bar gemütlich den Abend ausklingen lassen. Doch so wirklich genießen kann Ellie den Abend nicht. Ihr Liebhaber, noch dazu verheiratet, verschickt nur kryptische Sms, die sie nicht zu interpretieren weiß und ihre Freunde, die von der gesamten Affäre ohnehin nichts halten, machen ihr auch nicht gerade Hoffnung.  Über kurz oder lang erfahren wir, dass Ellie eigentlich kein Mensch für eine Affäre ist, denn die Gefühle für den Schriftsteller John, den sie durch ihre Arbeit als Journalistin bei der Zeitung "Nation" kennengelernt hat, sind alles andere als oberflächlich. Seit über einem Jahr führen die beiden nun diese Art der Beziehung und noch immer hofft sie, dass er seine Frau verlässt und ihr endlich seine Liebe gesteht. Um ihren traurigen Gedanken zu entfliehen, stürzt sich Ellie regelmäßig in Arbeit und durch Zufall findet sie, beim durchforsten der alten Archive, einen Liebesbrief aus den 60er Jahren, der ihr Herz tief berührt. Sie beschließt weiterzuforschen und stößt nicht nur auf eine heimliche Affäre zwischen einem Junggesellen und einer verheirateten Frau, sondern auf eine tiefe Liebe und der bitte auf ein gemeinsames Leben...

Ellie erscheint uns als gewissenhafte und sympathische junge Frau, die nicht nur unglücklich verliebt ist, sondern in dieser Hinsicht auch mehr als naiv. Durch ihre stillen Hoffnungen und Wünsche macht sie sich selbst das Leben schwer und vernachlässigt ihre Arbeit - die sie eigentlich liebt. Ständig wartet sie auf Nachrichten ihres Geliebten, doch wenn sie diese einmal erreichen, dann sind sie nicht nur kurz und nichtssagend, sondern auch wenig liebevoll und sehr auf Geheimhaltung bedacht. Durch die Briefe, die Ellie findet, fühlt sie sich an ihre eigene Situation erinnert und sie beginnt zu hoffen, dass solche Affären doch ein positives Ende nehmen können. Manchmal erscheint es ein wenig so, als ob sich Ellie durch einen positiven Ausgang der Brief-Affäre eher vorstellen könnte, dass sich ihre eigene Affäre doch noch zu einer richtigen Beziehung entwickelt, wo sie doch im aktuellen Zustand nur wenig Hoffnung hat. Sie beginnt, sich immer mehr und mehr in diese Brief-Sache zu verrennen und nur noch dafür zu leben. Wenn sie ihre Arbeit schon vorher vernachlässigt hat, so erreicht dies nun einen neuen Höhepunkt und nach kurzer Zeit beginnt Ellie's Berufs- und Privatleben mächtig zu kippeln...

Als das erste Kapitel endet, machen wir einen Zeitsprung ins Jahr 1960, in dem sich eine Dame namens Jennifer Stierling gerade im Krankenhaus befindet. Sie kann sich an nichts erinnern und verliert immer wieder das Bewusstsein. Nach einiger Zeit wird klar, dass es sich bei besagter Frau um die Empfängerin der Briefe handeln muss, dies ist für den Leser jedoch zuerst eher eine Vermutung, denn aus dem Roman geht das erst sehr viel später hervor. Von nun an dreht sich die Geschichte hauptsächlich um Jennifer Stierling und ihr Leben in der feinen Welt, an das sie sich nach dem Unfall und dem daraus resultierenden Gedächtnisverlust erst einmal wieder gewöhnen muss. Dies fällt ihr sehr schwer, denn auch wenn ihre Freundinnen ihr immer wieder versichern, dass sie die perfekte Ehefrau und Gastgeberin sei, so fühlt sie sich in ihrer Rolle doch mehr als unwohl. Ständig hat sie das Gefühl, dass ihr Leben alles andere als perfekt ist und ihr in ihrem Dasein etwas Elementares fehlt, um glücklich sein zu können. Durch einen Zufall findet sie einen "alten" Liebesbrief, der offensichtlich an sie gerichtet ist, doch statt eines Schocks ereilt sie eine nicht erklärbare Sehnsucht danach, dem Verfasser des Briefes nahe zu sein. Während sie vehement versucht herauszufinden, wer der Schreiberling ist und auf diesem Wege immer mehr Briefe findet, löst sie sich mehr von ihrem Mann denn je, was in der Gesellschaft natürlich nicht unbemerkt bleibt. Es beginnt eine verzweifelte Suche nach dem Mann, der die Liebe ihres Lebens darstellt und der sie aus ihrem goldenen Käfig befreien kann und ihr all die Liebe geben kann, zu der Jenny's Mann all die Ehejahre niemals fähig war, doch werden sich die beiden jemals wiedertreffen...?

Auch wenn man zu Beginn vielleicht etwas Probleme hat, aus der belebten Welt des 21. Jahrhunderts in die 60er Jahre umzuschwenken, so gewöhnt man sich doch recht schnell an diese Umstellung und fühlt sich sehr wohl. Jenny Stierling erscheint einem von Anfang an sehr sympathisch und eigenwillig und man bewundert ihren Mut und ihre Entschlossenheit. In unserer heutigen Zeit kann man sich wohl schwer in ihre Lage und ihren Lebensstil einfinden und einige Handlungsweisen und Gedankengänge nur bedingt nachvollziehen, trotzdem hätte ich wohl in den meisten Fällen genauso gehandelt, wie Jenny. Eingepfercht in ein Leben, in dem sie sich unwohl fühlt, mit einem Mann, der nicht in der Lage ist, jegliche Gefühle zu zeigen und gestraft mit einer Umgebung, in der sie nichts anderes sein kann, als die hübsche und zufällig auch intelligente Ehefrau eines reichen Geschäftsmannes. Kein Wunder also, dass sie sich einer Affäre mit einem Mann hingibt, der ihr deutlich zeigt, wie sehr er sie verehrt, bewundert und besonders als Frau und Persönlichkeit schätzt. Einige Szenen, in denen Jenny mit ihrem Ehemann sexuell aktiv werden "soll" (und ja, diese Formulierung habe ich bewusst gewählt), zeigen uns, wie gefühlskalt und rücksichtlos dieser Mann zu sein scheint, da er sich keineswegs dafür interessiert, dass seine Frau sich weder an ihn, noch an ihre Beziehung wirklich erinnern kann. Als wir schließlich erfahren, um wen es sich bei Jenny's Geliebten handelt, wird uns das Herz weich und unseren Lippen wird unwillkürlich ein Lächeln entlockt, denn kein anderer wäre in dieser Situation passender gewesen, doch ich will gar nicht zuviel verraten. 

Lest selbst und begebt euch auf eine Reise in die 60er und ins 21. Jahrhundert, lernt alle die wundervollen Charaktere kennen, die dieses Buch so unglaublich schön machen! Lasst euch an die verschiedensten Orte und Zeiten entführen und taucht ein, in eine wundervolle Liebesgeschichte, die so tragisch ist, wie wunderschön...

Wertung: 5 von 5 Sternen!

Samstag, 17. Mai 2014

[Rezension] Poppy J. Anderson - New York Titans 07 - Unverhofft verliebt

Inhalt
Claire ist frustriert, als sie erkennen muss, dass es mit ihr und den Männern doch nicht so recht klappen mag. Während jeder um sie herum eine glückliche Beziehung oder Ehe führt und mit Kindern gesegnet ist, hat die Männerwelt für Claire lediglich einen Flirt übrig und davon hat sie gehörig die Nase voll! Trotzdem will Claire ein Baby und scheut sich auch nicht, sich bei einer Samenbank zu informieren, um sich ihren Wunsch zu erfüllen. Als sie dann aber einen One-Night-Stand mit einem völlig Fremden hat und davon schwanger wird, scheint ihr Problem gelöst - eigentlich...

Erster Satz des Buches
"Ich habe einen Plan."

Zitate 
"In den vergangenen Monaten, wenn nicht sogar Jahren, hatte sie einige Männer kennengelernt, von denen manche sogar richtig nett gewesen waren. Sie hatten einige Beziehungen geführt, die manchmal länger und manchmal kürzer gedauert hatten. Doch niemals war der richtige Mann für sie dabei gewesen. Nie war der Mann dabei gewesen, mit dem sie hätte alt werden können. Bisher hatte sie keinen Mann getroffen, der ein heißes Glücksgefühl oder ein atemloses Sehnen in ihr ausgelöst hatte."

Fazit 
"Unverhofft verliebt" ist der siebte Band der New York Titans Reihe von Poppy J. Anderson. Wer mich und meinen Blog kennt, weiß, dass ich die Romane von Poppy liebe und daher jeden einzelnen nahezu verschlinge. Aus diesem Grund musste es natürlich auch der siebte Band sein, den ich wieder innerhalb kürzester Zeit verschlang.

Claire ist 33 Jahre alt und fühlt sich in ihrer Welt ziemlich einsam. Ihre Freundinnen und Freunde sind alle glücklich verheiratet und haben Kinder - das, wonach sich Claire verzweifelt sehnt. Die Männersuche jedoch scheint erfolglos zu bleiben, denn wenn sie einen netten Mann trifft, ist er meistens nur auf ihren hübschen Körper aus und an einer Beziehung nicht interessiert. Das gibt ihr das Gefühl, niemals genug zu sein und immer nur als kurzfristiger Lückenbüßer zu fungieren, bis der jeweilige Mann die richtige Frau zum heiraten gefunden hat. Ausschlaggebend für diese Denkweise war ihr Jugendfreund Lance, der sie irgendwann sitzen ließ und ihr genau das mitteilte: Du bist nicht gut genug für mich. Ich persönlich fand Claire schon in den Vorgängerromanen absolut sympathisch. Auch wenn sie ganz zu Beginn etwas oberflächlich wirkte, so bekam man schon in den letzten Romanen mit, dass sie dies ganz und gar nicht ist, auch wenn sie peinlichst genau auf ihr äußeres achtet. Auch dies hat seine Ursache tief in ihrer Vergangenheit verwurzelt und wenn man sich ihre Geschichte so anschaut und das ganze überdenkt, so versteht man sie zweifellos. Claire wirkt hilflos, etwas eingeschüchtert von der Männerwelt und verdammt einsam und auch wenn sie zahlreiche gute Freunde um sich versammeln kann, hat das ganze immer einen bitteren Beigeschmack. Als ihr die Suche nach dem richtigen irgendwann zuviel wird, beschließt sie, sich an eine Samenbank zu wenden, denn mit einem Baby könnte sie glücklich werden. Männer braucht man nicht, zum glücklich sein und da sie den richtige dafür eh niemals finden wird, ist sie der Meinung, wenigstens ein Baby könnte ihre einsame Welt ein bisschen bunter gestalten.

Als sie trotzdem beschließt, sich auf ein Date einzulassen, wird sie scheinbar versetzt und sitzt ausgerechnet am Valentinstag mutterseelenallein in einer Bar. Dort trifft sie auf den attraktiven Grant, der ihr von Anfang an ausnehmend gut gefällt und von ihr auch nicht abgeneigt zu sein scheint. Obwohl Claire nur selten einen One-Night-Stand hat, beschließt sie, dass dieser Mann durchaus der richtige für dieses kleine Abenteuer sein könnte und so begleitet sie einen wildfremden Mann auf sein Hotelzimmer. Dort verbringen sie wohl einige heiße Stunden und Claire schleicht sich am nächsten Morgen, leise und unbeobachtet, im richtigen Moment aus dem Hotelzimmer. Grant war mir anfangs etwas suspekt. Er wird beschrieben, als sei er der optisch der reinste McDreamy, sein Charakter bleibt jedoch sehr im verborgenen. Er ist schweigsam, unnahbar und doch scheint er Claire recht schnell für sich gewinnen zu können. Später erfährt man, dass One-Night-Stands eigentlich gar nicht so sein Ding sind und noch einiges mehr, was dazu führt, dass wir ihn Schritt für Schritt besser kennenlernen. Nach einiger Zeit wird uns dann recht schnell klar, dass seine abweisende und unnahbare Art und Weise einen triftigen Grund hat und auch wenn es anfangs schwer vorstellbar ist, so entwickelt sich Grant zu einem charmanten und sympathischen Mann, der eigentlich gerne glücklich wäre - sich selbst dabei aber am meisten im Weg steht.

Einige Wochen nach ihrer Begegnung mit Grant offenbart Claire dann ihrer besten Freundin Liv, dass sie glaubt schwanger zu sein, während sie von heftiger Übelkeit geplagt auf dem Sofa liegt. Nachdem Liv erst einmal etwas verwirrt reagiert, freut sie sich für ihre Freundin, besonders weil diese sich ja so sehr ein Baby gewünscht hat! Claire hingegen ist eher unsicher, denn nun ist sie sich gar nicht mehr so sicher ist, ob sie ein Kind auch tatsächlich alleine aufziehen kann. Auf einen Rat hin wendet sie sich schließlich an eine Frauenarztpraxis und vereinbart einen Termin, der ihr zuerst einmal die Sicherheit geben soll, dass sie tatsächlich schwanger ist. Dort begegnet sie Grant, der kein anderer ist, als ihr behandelnder Gynäkologe...

Die Geschichte zwischen Claire und Grant beginnt nur sehr langsam und man weiß lange nicht, wie das ganze ausgehen wird. Grant ist abweisend und scheint sich ganz und gar nicht darüber zu freuen, dass er so unverhofft Vater wird! Im Grunde verständlich, denn Claire und Grant kennen sich kaum, doch das ist nicht der einzige Grund, warum der zukünftige Vater so abweisend reagiert. Besonders interessant fand ich in diesem Fall wieder die Tatsache, dass das Klischee voll bedient wird, in dem Frauen stets die Rolle des Flittchens zugesprochen kriegen, denn wer einen One-Night-Stand hatte, hat bestimmt auch jede Menge anderer! Der Mann hingegen ist der Unschuldige, der das einfach mal so tut und keinerlei Rechtfertigung dafür aufbringen muss, ganz im Gegensatz zum weiblichen Geschlecht. Claire wehrt sich massiv gegen diese Vorwürfe und ist empört bis tief getroffen, von diesen Behauptungen. Man kann sie sehr gut verstehen und ich persönlich kann ihr Verhalten und ihre Gefühlswelt durchaus nachvollziehen. Jeder von uns wäre wohl empört, wenn man sich ein einziges Mal einem solchen Abenteuer hingibt und sich im Endeffekt anhören muss, dass man ja nicht wisse, mit wie vielen Männern man diese Spielchen treibt!

Insgesamt kann ich euch diesen Roman nur absolut empfehlen, denn er entspricht absolut dem bekannten Standard der Autorin. Die Charaktere sind wundervoll, man hat mehr als einmal etwas zum lachen, taucht tief in Claires Gefühle ein und die Thematik regt dann doch ein bisschen zum nachdenken an.

Wertung: 5 von 5 Sterne!

Montag, 12. Mai 2014

[Rezension] Chiara Ravenna - Il Tedesco

Inhalt
"Chiara ist eine junge Italienerin, die auf einem Weingut in der Emilia Romagna, in Italien, aufgewachsen ist. In ihrem Roman erzählt sie ihre Geschichte, die, beeinflusst durch ein Erlebnis in ihrer frühen Jugend, immer wieder zu ereignisreichen Wendungen führt. Dazu kommt ein geheimnisvoller Mann aus der Vergangenheit, der plötzlich wieder auftaucht und die Familie zu bedrohen scheint. Durch ihre deutsche Mutter hat Chiara die Sprache als einziges ihrer Geschwister gelernt. Das kommt ihr in ihrem Beruf als Architektin zugute. Sie restauriert alte Landhäuser, die meist von Deutschen gekauft werden. Aber auch das „dolce vita“, die langen Sommer, Tage am Meer und gutes italienisches Essen kommen nicht zu kurz. Chiaras ganz eigene Auffassung, wie man zum Beispiel einen heißen Sommertag gestalten sollte, nimmt den Leser mit auf eine amüsante Reise. Dort am Meer ist es auch, wo sie „il Tedesco“, den Deutschen, kennenlernt, der beginnt, ihr ganzes, von ihrer Familie durchgeplantes Leben auf den Kopf zu stellen. Neben wunderbaren Einblicken in das „echte“ italienische Leben, gibt es auch dramatische Abschnitte, die für genug Spannung sorgen, um dann wieder ein ausgiebiges Abendessen im Kreis einer italienischen Familie genießen zu dürfen. Die Geschichte spielt in der Emilia Romagna und auf Sizilien und macht kurze Ausflüge in das Italien der Generation vor Chiara, in eine Zeit, als ihre Eltern ihr Glück erst in der Ferne ganz im Süden Italiens, suchen mussten, um es schließlich doch zu Hause zu finden. Das Buch ist die oft heitere, aber auch spannende und zuweilen dramatische Geschichte einer jungen Frau, die zwischen den Traditionen einer alteingesessnen italienischen Großfamilie und dem Kampf um ihre Freiheit und ihr persönliches Glück viele Wege gehen muss. Dabei verliert sie jedoch nie ihren Humor und behält immer den Blick für die schönen und wichtigen Momente im Leben." (Kurzbeschreibung von www.amazon.de)

Erster Satz des Buches

"Als der Zug an diesem brennend heißen Augustmorgen in die kleine Bahnstation von Bellaria einfuhr und sich die Räder kreischend in die Gleise stemmten, stand ein junges Mädchen verzaubert am Fenster eines der Waggons und blicke fasziniert in die ihr unbekannte Landschaft."

Fazit
"Il Tedesco" ist der erste Roman der Autorin Chiara Ravenna. Aufmerksam geworden bin ich auf diesen Roman deswegen, weil ich Chiara auf Twitter folge und so recht schnell mitbekommen habe, dass sie einen Roman veröffentlich hat. Trotzdem sollte es noch eine Zeit lang dauern, bis ich ihren Roman tatsächlich gelesen hatte, was einfach an der Tatsache lag, dass mein SuB gefühlt immens hoch ist. Wer mich kennt, weiß, dass ich meine Inhaltsangaben eigentlich immer selbst schreibe, doch in diesem Fall war die Kurzbeschreibung von amazon.de so perfekt, dass ich es nicht hätte besser beschreiben können.

Nachdem uns Chiara im Prolog einen kleinen Vorgeschmack darauf gibt, was uns in ihrem Roman erwarten wird, beginnt Kapitel 1 damit, dass sie ihren Dauerfreund Stefano erst einmal durch die Hintertür nach draußen jagt, da ihr Vater ihn nicht in ihrem Bett erwischen darf. Als sie sich anschließend zu ihrem Vater und ihrem Onkel in die Küche hinuntergesellt, muss sie mit Schrecken ein Gespräch verfolgen, welches sie letztendlich nach Deutschland verschlagen wird, denn dort soll sie deutsche Käufer für die Häuser in Italien anwerben - ganz zu Chiaras Missfallen. Von da an werden wir an die Hand genommen und durch Chiaras ereignisreiches Leben geführt, wo immer etwas los ist und wo es niemals langweilig wird. Wir lernen sie kennen, als eine eigenständige, temperamentvolle, mutige und humorvolle Frau, die sich durchs Leben schlägt, egal was es ihr zwischen die Füße wirft und sich durch alles mit einer guten Portion Optimismus hindurchschlägt. Sie schafft es mit einer Wehemz, die Reiselust des Lesers zu Wecken, dass man sich am liebsten sofort in den Flieger nach Italien setzen möchte, um all die Ausführungen über dieses wundervolle Land mit eigenen Augen sehen zu können und es genauso wahrzunehmen, wie sie es mit Herzblut beschreibt. "Il Tedesco" verrät uns nicht nur eine Menge über das Leben jungen Italienerin, sondern gewährt uns auch einen kleinen Einblick in viele italienische Bräuche, die Mentalität der Südländer, sowie das offenherzige Wesen der Menschen in diesem Land. 


Chiara verrät uns außerdem eine Menge Tricks,beispielsweise, dass es in Italien üblich ist, die Portionen beim Essen stets zu teilen und die Gänge in genau der richtigen Reihenfolge einzunehmen; Wein immer im Krug zu bestellen und - ganz wichtig - Restaurants mit mehrsprachigen Karten oder Bildern in der Speisekarte am besten rückwärts wieder zu verlassen. :-D 
Ihre Ausführungen zum Thema "Restaurantbesuch einer Nordeuropäischen Familie" zu lesen, löste in mir wahre Heiterkeitsausbrüche aus und obwohl sie in gewisser Weise doch etwas über uns unwissende Zeitgenossen spottet, wirkt sie stets charmant und man kann es ihr keinesfalls übel nehmen - insbesondere deswegen, weil sie hier (zumindest aus meiner Sicht) den Extremfall schildert und jeder halbwegs normale Erdenbürger anders handeln würde, als die Herrschaften in ihren Erzählungen.

Auch ihre Beschreibungen ihres Berufes fand ich stets äußerst interessant und ich würde wahnsinnig gerne einmal mit Chiara eines der Häuser besuchen, von denen sie in ihrem Roman mit einer solchen Leidenschaft berichtet. Auch wenn ich mir diesen Beruf niemals für mich vorstellen könnte, so würde ich ihr doch gerne einmal einen Tag zuschauen und mit ihr durch die alten Gemäuer wandeln - denn ich denke, diesen Zauber muss man einmal aus den Augen einer Geometra bewundert haben!

Doch nicht nur Chiaras Leben wird uns geschildert, sondern auch die Geschichte ihrer Eltern findet ihren Platz in dieser Biografie, was ich sehr passend finde und was die ganze "Geschichte" von Chiaras Leben erst so richtig abrundet. Chiaras Eltern wirken, trotz ihres wenigen Auftretens, unglaublich nett und mit einer Menge Temperament, die für ihre Kinder alles tun würden.

Wenn man als Leser gleichzeitig auch Chiara's tägliche Tweets verfolgt und ihren Blog liest, so fühlt man sich, je mehr man von diesem Roman gelesen hat, irgendwie mit ihr verbunden und hat ein wenig das Gefühl, sie etwas besser kennengelernt zu haben, als es bisher der Fall war. 

Wer diese Rezension liest, ohne Chiara zu kennen, würde vielleicht meinen, dass es sich hierbei um eine nette Ansammlung von Insider Tipps handelt, wie sie in jedem Reiseführer ebenfalls zu finden ist, doch weit gefehlt! Wir erhalten hier einen wundervollen "Roman", bzw. eine Biografie, die uns tief in das Leben dieser jungen Frau eintauchen lässt, die so unglaublich viel erlebt hat und deren Leben so ganz anders zu sein scheint, als das von uns. Ich für meinen Teil kann euch dieses Buch wirklich ans Herz legen und euch nur empfehlen, auch einmal auf Chiaras Blog (Lady Italy) vorbeizuschauen, denn dort gibt es ebenfalls tolle Einträge und vorallem einige wundervolle Bilder vom schönen Italien! 

Wertung: 5 von 5 Sternen!

Ein herzliches Dankeschön an die Autorin, für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplares!

[SuB-Nachschub] Ein kleines Rezensionsexemplar!

Letzte Woche erreichte mich noch ein tolles Rezi-Exemplar, welches ich euch gerne vorstellen möchte:

Sebastian Casper - Zone C

Crystal Meth ist ein Gemisch aus Ephedrin, Abflussreiniger und Batteriesäure. Eine Droge ohne Anspruch, härter und billiger als Kokain, und damit passend für den Osten Deutschlands. Der 19jährige Sten lebt dort mit seiner depressiven Mutter in einer Kleinstadt und sein Alltag wird bestimmt vom Konsum der Droge und Erinnerungen an seine Freundin Asic, die zum Studieren in den Westen gegangen ist. Da Asic seither nichts mehr von sich hören lässt verliert sich Sten immer mehr in kalten, unverbindlichen Beziehungen. Halt auf seiner ziellosen Suche findet er nur in dem unbeschwerten Verhältnis zu seinem Freund Monti, der scheinbar naiv und sorglos in den Tag hinein lebt. Was Sten nicht weiß: Monti birgt ein dunkles Geheimnis, und er selbst befindet sich näher am Abgrund, als ihm bewusst ist. Ein verstörendes Porträt der Nachwendejugend, die, geprägt durch ihr marodes Umfeld, an der Wirklichkeit zu zerbrechen droht. (Kurzbeschreibung: www.amazon.de)

Donnerstag, 8. Mai 2014

[Rezension] Kirsty Wark - Der Gesang der Wellen nach dem Sturm

Inhalt
Auf der kleinen sturmumtosten Insel Arran, im Westen Schottlands, lebt Elizabeth Pringle. Die alte Dame weiß, dass sie nicht mehr lange zu leben hat und es an der Zeit ist, endlich mit der Vergangenheit abzuschließen und sich von der Seele zu schreiben, woran sie seit Jahrzehnten so schwer zu tragen hat.

Kurze Zeit später erlebt Martha die Über­raschung ihres Lebens: Eine Unbekannte namens Elizabeth Pringle hat ihrer kranken Mutter ein Haus auf Arran vermacht. (Kurzbeschreibung von www.amazon.de)

Erster Satz des Buches
"Sehr geehrte Mrs. Morrison, Sie haben mir vor beinahe vierunddreißig Jahren einen Brief geschrieben, in dem Sie mich baten, mich mit Ihnen in Verbindung zu setzen, sollte ich jemals vorhaben, mein Haus zu verkaufen."

Fazit 
"Der Gesang der Wellen nach dem Sturm" ist ein Roman der Autorin Kirsty Wark. Dieses Buch bekam ich zugesandt, da ich als Buchflüsterer "tätig" bin und immer wieder unverhofft neue Bücher erhalte. 

Zu Beginn dieses Romanes war ich recht optimistisch gestimmt und freute mich schon aufs Lesen dieses Buches. Als ich jedoch die ersten paar Seiten hinter mich gebracht hatte, ließ die Begeisterung schnell nach, da ich mich weder für den Inhalt, noch für den Sprachstil an sich erwärmen konnte. 

Die Geschichte spielt auf der Insel Arran und wir begegnen den beiden Damen Elizabeth Pringle und Martha. Martha ist die Tochter einer demenzkranken Frau, der Elizabeth Pringle ihr Haus vererbt hat. Durch einen Zufall findet Martha die Memoiren der verstorbenen Elizabeth und so erhalten wir einen Einblick in das Leben der alten Dame. Dabei kommt natürlich auch ein lang gehütetes Geheimnis ans Licht - wie könnte es auch anders sein. 

In "Der Gesang der Wellen" geht es um die Schicksaler zweier komplett fremder Frauen, die durch nichts weiter verbunden sind, als ein Haus, auf einer Insel. Die beiden erzählen abwechselnd von ihrem Leben und so bekommen wir einen Einblick in die Geschichte zweier Damen, ganz unterschiedlichen Alters. Ich persönlich fand den kompletten Roman eher schleppend und langweilig und musste mich quälen, um überhaupt ans Ende zu gelangen. Die Personen erschienen mir blass und farblos, ohne großartig Charakter zu haben und die Geschichte aufgesetzt und lieblos dahingeschrieben.

Insgesamt konnte ich diesem Roman nur wenig abgewinnen, kann ihn daher also auch nicht weiterempfehlen. Für Leser, die es gerne mit seichten Frauenromanen zu tun haben, könnte dieser Roman vielleicht eine Anlaufstelle sein, mir persönlich gefiel er jedoch leider nicht. 

Wertung: 1 von 5 Sternen!


Donnerstag, 1. Mai 2014

[Rezension] Jojo Moyes - Ein ganzes halbes Jahr

Inhalt 
Die 26-jährige Louise Clark arbeitet als Kellnerin in einem kleinen Café, in einer kleinen Stadt in England. Auf den ersten Blick scheint sie ganz zufrieden mit ihrem Leben zu sein, denn das Kellnern macht ihr Spaß und ihre Familie steht immer hinter ihr. Als das Café schließt und sie ihren Job verliert, bricht für sie eine Welt zusammen und ihre Perspektiven sehen alles andere als rosig aus.

Als der 35-jährige Will Traynor verunglückt, weiß er, dass sein Leben niemals wieder so sein wird, wie es vor dem Unfall war. Er weiß, dass er dieses Leben nicht führen möchte und er versucht alles, um aus diesem Leben zu flüchten.

Lou und Will begegnen sich, als Lou einen Job bei Will angeboten bekommt und keiner von beiden ahnt, dass der jeweilig andere, das eigene Leben verändern wird...

Erster Satz des Buches
"Als er aus dem Bad kommt, ist sie wach, hat sich gegen das Kopfkissen gelehnt und blättert durch die Reiseprospekte, die neben seinem Bett gelegen haben."

Fazit
"Ein ganzes halbes Jahr" ist ein Roman der Autorin Jojo Moyes. Durch die vielen Rezensionen bin ich schon vor langem auf dieses Buch aufmerksam geworden, irgendwas hat mich jedoch immer daran vorbeigehen lassen. Zu Ostern bekam ich dieses Buch dann von meinem Freund geschenkt (der wohl nicht mehr mitansehen konnte, wie ich um den Roman herumschlich :-D ) und gleich darauf begann ich auch schon zu lesen.

Schon zu Beginn wurde mir recht schnell klar, dass ich hier nicht das bekam, was ich erwartete: keine seichte Liebesgeschichte, mit ein paar mehr Hindernissen als normal, keine Schnulzerei und vorallem keine Happy-Family-Lektüre, viel mehr ein Roman, der ernste Themen wie Behinderung und Freitod behandelte, zerrüttete Verhältnisse und einem Menschen, dem jeglicher Überlebenswille abhanden gekommen ist. Anfänglich erinnert mich die Szenerie doch sehr stark an "Ziemlich beste Freunde", denn auch hier haben wir es mit einem Menschen zu tun, der auf Grund seiner starken Behinderung (Lähmung aller 4 Extremitäten = Tetraplegie) eine Pflege-/Hilfskraft benötigt und jemanden bekommt, der davon weder Ahnung, noch große Lust dazu hat. Die Hauptprotagonisten beider Romane wirken herrisch, zynisch und völlig unnahbar, tauen jedoch im Laufe der Handlung auf und auch die zuvor ungeschickten Helfer gewinnen zunehmend an Sicherheit. Trotzdem unterscheiden sich die beiden zunehmend und auch Lou hat mit dem Pfleger Driss aus "Ziemlich beste Freunde" letzendlich nur wenig gemein.

Als uns Louisa "Lou" Clark das erste Mal begegnet, scheint sie eine zufriedene junge Frau zu sein, deren Leben in eher geregelten und ruhigen Bahnen abläuft. Seit 7 Jahren hat sie denselben Freund, wohnt immernoch bei ihren Eltern und arbeitet seit Jahren im selben Café. Als dieses schließen muss, bricht für Lou eine Welt zusammen und jeglicher Versuch einen neuen Job zu finden, scheitert kläglich. Die 26-jährige fällt in ein tiefes Loch und nur die Aussicht auf einen Job bei einem Schwerstbehinderten lässt sie etwas aufatmen. Anfangts traut sie sich diese Tätigkeit überhaupt nicht zu und zweifelt massiv an ihren Fähigkeiten, doch im Laufe der Zeit findet sie sich dann immer besser zurecht und entwickelt eine gewisse Routine. Gerade zu Beginn gewinnt der Leser der Eindruck, dass Lou zu nichts anderem in der Lage ist, als Sandwichs zu servieren und Tee zu kochen, doch man verkennt dabei ihre Intelligenz und ihre Fähigkeiten. Zwar wirkt sie unbeholfen und ungeschickt, doch aus der Tatsache heraus, dass sie sich um einen mehr oder weniger vollständig Gelähmten kümmern muss und quasi "keine Ahnung von dem hat, was sie tut", verzeiht man ihr diese Unpässlichkeit schnell. Auch ihre Berührungsängste stehen ihr dabei ein wenig im Weg, doch wenn man erst einmal erfahren hat, wieso sie darunter leidet (wobei das eher eine Spekulation von mir war), versteht und akzeptiert man auch das ohne weiteres. Im Laufe des Romanes macht sie eine wahnsinnige Entwicklung durch und wenn wir das Buch zuschlagen, so entlassen wir eine junge Frau in die Freiheit der Welt, die sich nicht nur grundlegend verändert hat, sondern sich und das Leben im allgemeinen wohl in Zukunft wohl mit anderen Augen sehen wird. Ich persönlich konnte mich mit Lou sehr stark identifizieren und fand sie sehr sympathisch, was vermutlich auch daran lag, dass sie über eine erfrischende Offenheit verfügt, die in unserer Gesellschaft oft nicht gebilligt wird, denn Höflichkeit geht der Ehrlichkeit wohl voraus. Ihre Gefühlswelt und vorallem auch ihre Unsicherheit waren greifbar und absolut menschlich, sodass man das Gefühl haben konnte, einem reellen Wesen gegenüberzustehen, mit echten Problemen und einer realistischen Lebenssituation.

Will begegnen wir schon auf der ersten Seite des Romans, wir erleben ihn zu Zeiten vor seinem Unfall und bekommen einen klitzekleinen Einblick in sein Leben vor dieser schrecklichen Tragödie. Er befindet sich zu diesem Zeitpunkt in einem Hotel, seine Freundin an seiner Seite und bereitet sich auf die Arbeit vor. Als er das Hotel verlässt und ein Taxi nehmen will, wird er von einem Motorradfahrer angefahren und ist von nun an ab dem Hals abwärts gelähmt (=Tetraplegiker). Vor seinem Unfall war Will ein erfolgreicher Geschäftsmann, attraktiv, beliebt und immer auf Achse. Kaum eine Sportart ließ er aus und vor nichts, was auch nur ansatzweise Spaß machen könnte, machte er halt. Auch wenn wir uns sicherlich nicht mal im Ansatz vorstellen können, wie schrecklich es sein muss, vom einen auf den anderen Moment komplett gelähmt zu sein, so lässt es sich doch stellenweise nachempfinden, wie frustriert, lebensmüde und depressiv ein Mensch sein muss, der alles im Leben verliert, was ihm jemals wichtig war. Will ist in allen Lebenslagen abhängig von einem anderen Menschen und die meisten Lebenssituationen lassen sich nur mit Hilfe bestreiten, was ihn, verständlicherweise, ziemlich mürrig und eigen werden lässt. Im Laufe des Romanes verändert sich Will und doch bleibt er irgendwie die ganze Zeit derselbe Mensch, zu dem er seit dem Unfall geworden ist. Wir erleben Zeiten der Fröhlichkeit, des Wohlbefindens und seiner guten Launen, aber auch Zeiten des "sich-aufgebens", des Schweremutes und der totalen Depression. Als wir Will näher kennenlernen dürfen, fällt dann auf, dass es sich bei dem schwerstkranken Mann um einen intelligten, sarkastischen, aber wahnsinnig humorvollen und sympathischen Mann handelt, der im Grunde seines Herzens nichts lieber möchte, als sein altes Leben zurück. 

Will und Lou zusammen zu erleben, wie sie beide Fort- und Rückschritte machen, wie sie sich verwandeln, zusammen lernen und die schönsten und schlimmsten Momente durchmachen, das trifft einen wirklich ins Herz. Die eigentlich "Lovestory" auf die einjeder wartet, tritt erst ganz am Schluss auf und der Gang dorthin ist lang und beschwerlich. Aber gerade aus dieser Tatsache heraus wirkt dieses Buch sympathisch, ehrlich und nachvollziehbar, ganz im Gegensatz zu vielen anderen Liebesromanen. Liebe braucht Zeit sich zu entwickeln, sich zu entfalten und um wahrgenommen zu werden und entsteht im Regelfall nicht über Nacht, wie uns die Literatur oft weismachen möchte. Wir leiden, lieben, lachen und weinen mit den beiden, genießen wundervolle Konversationen, Neckereien und spöttische Bemerkungen und dürfen an etwas ganz großem Teilhaben, was uns jedoch erst sehr spät bewusst wird.

Will's Pfleger Nathan begleitet uns das ganze Buch hindurch und wirkt dabei stets professionell und sympathisch. Auch wenn er uns oft begegnet, wissen wir nur wenig über ihn, doch er erledigt seine Arbeit stets gewissenhaft, ist diskret und würde alles tun, um Wills Gesundheit zu garantieren. Durch seine Unterhaltungen mit Will, die sich oft genug auch um völlig normale Themen drehen, scheint Will oft das Gefühl zu haben, "normal" zu sein und sich ein bisschen aus der Welt zu entfernen, in der er Leben muss. Nathan behandelt ihn völlig normal und oft sieht man in ihm eher einen Kumpeltyp, als eine Pflegeperson.

Wills Eltern, wie auch die von Lou, ihre Schwester Treena, ihr Großvater und ihr Neffe Thomas begegnen uns oft und gewähren uns einen tiefen Einblick in die Familienverhältnisse. Während Wills Eltern gut betucht, und ihre Ehe eigetnlich schon gescheitert ist, sind Lous Eltern scheinbar glücklich verheiratet, Schwester Treena wohnt, genau wie Lou, noch zuhause und ein idyllisches, wenn auch eher spartanisches Familienleben liegt an der Tagesordnung. Auch wenn es zwischen Lou und Treena mehr als einmal Streit gibt, so verstehen sich die Schwestern doch gut und suchen oft Rat beim jeweilig anderen. Lous Freund Patrick war mir von Anfang an eher unsympathisch und ich wünschte mir eigentlich die meiste Zeit, dass sie ihm den Laufpass gibt. Patrick wirkt egoistisch, selbstsüchtig und hat keinen Sinn für Lou's Arbeit und seine Fitnesstrainer-Karriere, sowie der eigene Erfolg im Sport sind ihm bedeutend wichtiger.

Jojo Moyes schafft es in diesem Roman, heikle Themen gekonnt aufzugreifen und den Leser behutsam daran zu führen, sodass man, wenn man dahinter kommt, schon viel tiefer drinsteckt, als einem tatsächlich bewusst war.  Diesen Roman frei von Emotionen zu lesen ist nahezu unmöglich, denn sie sind allgegenwärtig und ziehen einen in den Bann, aus dem man sich - wenn man ehrlich zu sich selbst ist - auch gar nicht mehr lösen möchte. Im Anschluss an dieses Buch habe ich viel nachgedacht, etwas recherchiert und mich mit Themen befasst, über die ich bis dato noch niemals nachgedacht hatte. Dieser Roman berührt einen nicht nur beim Lesen, sondern weit darüber hinaus, greift vielleicht sogar in unseren Alltag ein und lässt uns nicht nur das Leben und Sterben in unserer Welt und unserer Gesellschaft näher beleuchten, sondern auch den Umgang mit Behinderung und Krankheit neu überdenken. Ich für meinen Teil kann nur sagen, dass ich mit "Ein ganzes halbes Jahr" ein Buch, eine Geschichte, geschenkt bekommen habe, die mich noch lange begleiten wird und die mich meinen Blick auf einige Dinge verändern ließ.

Wertung: 5 von 5 Sterne!

[Statistik] Für den April!

Guten Morgen ihr Lieben!

Hier meine Statistik für den April: 
Gelesene Bücher: 5
Geschriebene Rezensionen: 4
(Die Rezension zu "Ein ganzes halbes Jahr", folgt später!)
Gelesene Seiten: 1892
Gekaufte Bücher: 2
Rezensionsexemplare: 4

Geschenkt bekommen: 1
Gewonnen: 1
Bücher auf dem SUB (am Ende des Monats): 97


Fazit:

Diesen Monat habe ich fast 1000 Seiten mehr gelesen, als im Vormonat März! Ich bin ja schon ein bisschen stolz auf mich, denn zum Ende des letzten und Beginn diesen Jahres plagte mich ja schon eine ziemliche Leseflaute!