Sonntag, 14. Februar 2016

[Fachbuch-Rezension] Ursula Hahnenberg / Daniela Diephaus - Das große Förder-Spiele-Buch 1 (2-4 Jahre)

Inhalt
Eltern, Erzieher und Therapeuten haben ein gemeinsames Ziel: sie wollen Kinder optimal auf die vielfältigen Anforderungen, mit denen sie heute täglich konfrontiert werden, vorbereiten. In diesem Buch werden fachkundig und verständlich Spiele, Basteleien und Beschäftigungsmöglichkeiten aufgezeigt, mit denen Wahrnehmung, Grob- und Feinmotorik, Kognition, Kreativität, Sprache und Persönlichkeit gefördert werden. In diesem ersten Teil werden einfache und kostengünstige Ideen für Kinder ab 2 Jahren vorgestellt, die ergotherapeutisch kommentiert und in der Praxis erprobt sind. Übersichtliche Darstellungen helfen dabei, schnell die richtige Beschäftigung für jede Gelegenheit zu finden. Ein unentbehrlicher Ideenratgeber für ErzieherInnen, TherapeutInnen und die ganze Familie! (Kurzbeschreibung von www.amazon.de)

Infos zum Buch
Seitenzahl: 176 Seiten

Verlag: Borgmann Media

Preis:  16,95 € (Taschenbuch)

Warum wollte ich ein Fachbuch zum Thema "spielend fördernd" lesen?
Wie vielleicht schon der ein oder andere von euch mitbekommen hat, bin ich Physiotherapeutin in einem Therapeutischen Kinderzentrum, in dem ich körperlich wie geistig beeinträchtige Kinder, Jugendliche und auch einige wenige Erwachsene therapiere. Darunter befinden sich jedoch nicht nur tatsächlich "behinderte" Menschen, sondern auch Kinder mit Entwicklungsverzögerungen jeglicher Art. Da wird oft und gerne versuchen spielerisch zu fördern, fand ich ein paar Anregungen in Form eines Buches ganz sinnvoll, weswegen ich mich nach geeigneter Literatur umsah. 

Gliederung
- Vorwort und Einführung
- Entwicklungsschritte von Kindern zwischen 2 und 4 Jahren
- Ein Wort zur Vorbereitung
- Wohin mit der Kinderkunst?

1. Kapitel: Bewegungsspiele drinnen - Wenn das Wohnzimmer zur Turnhalle wird
2. Kapitel: Bewegungsspiele draußen - Nur wer fällt, lernt wieder aufzustehen
3. Kapitel: Sehen und Beobachten - Schau mal genauer hin
4. Kapitel: Hören und Zuhören - Musik in meinen Ohren
5. Kapitel: Schmecken und Riechen - Der Duft der großen Welt
6. Kapitel: Fühlen und Tasten - Die Welt be-greifen
7. Kapitel: Malen, Schneiden, Kleben - Mal nicht im Malbuch
8. Kapitel: Werken mit Holz, Stein, Stoff - Meiner Hände Arbeit
9. Kapitel: Gekauftes Spielzeug - Sinn-volle Investitionen
10. Kapitel: Im Urlaub, in Auto, Bahn, Flugzeug - Spiele aus der Handtasche
11. Kapitel: Feste und Geburtstage - Viel Spaß, wenig Stress
12. Kapitel:Serviceteil

Kurzfazit: Eine sinnige Gliederung, die das schnelle Nachschlagen bestimmter Spiele und Spielarten erleichtert und man das gesuchte schnell findet.

Fazit zu Vorwort / Einführung / Entwicklungsschritte von Kindern zwischen 2 und 4 Jahren / Ein Wort zur Vorbereitung / Wohin mit der Kinderkunst?
Das Vorwort spricht hauptsächlich Eltern und Großeltern an, erklärt kurz, wozu dieses Buch gedacht ist (Anregungen, etc.) und weswegen die Entwicklung der Wahrnehmung (die sich in die einzelne Bereiche sehen, hören, tasten, riechen und schmecken aufgliedert) so wichtig für die allgemeine Entwicklung des Kindes ist. Das Vorwort ist schlüssig und gut verständlich geschrieben und die verwendeten Fachwörter gut erklärt. 

Der Punkt "Entwicklungsschritte von Kindern zwischen 2 und 4 Jahren" empfinde ich persönlich als einen der wichtigsten Unterpunkte und die Umsetzung dessen  gefiel mir besonders gut, da in Grob- und Feinmotorik, sowie in Sprache untergliedert wird und jeweils kurze, aber schlüssige Erklärungen abgeliefert werden. 

Das Wort zur Vorbereitung empfinde ich als etwas unsinnig bzw. überflüssig, denn im Grunde wird hier nichts weiter beschrieben als die Tatsache, dass man bedenken sollte, dass man genügend Materialien zuhause hat (inkl. einer Vorratsliste), sowie dem Hinweis, dass manche Werkstücke etwas länger zur Fertigstellung brauchen, als andere. 

Auch "Wohin mit der Kinderkunst?" ist etwas überflüssig, denn als Elternteil sollte man schon von alleine auf die Idee kommen, was man mit der Kunst der Kinder anstellt. Dass man diese gebührend bewundert und einige davon aufhängt, bzw. einen Teil davon aufbewahrt, sollte klar und selbstverständlich sein, weswegen sich mir der Sinn dieses kleinen Kapitels nicht ganz erschließen will.  

Fazit zur Gliederung der Kapitel
Der Aufbau der einzelnen Spiele-Unterpunkte erfolgt stets nach demselben Prinzip: Titel des Spiels, Material, Zeitaufwand, Alter. Anschließend folgt eine kurze Beschreibung dessen, wie das Spiel ausgeführt wird und häufig eine Fotografie, die das ganze etwas mehr untermalt. Je nachdem, um welche Art Spiel es sich handelt, werden häufig noch Spielvariationen vorgeschlagen oder Praxistipps gegeben. Unter jedem Spiel wird genau beschrieben, wozu das jeweilige Spiel dient, also was genau es fördern soll. 

Insgesamt finde ich die Gliederung der einzelnen Spiele sehr sinnvoll, da es nicht nur sehr kurz gehalten wird, sondern durch diese Gliederung auch sehr übersichtlich wirkt. Die Spiele sind klar und verständlich beschrieben und die Bilder verschönern nicht nur das Gesamtbild, sondern helfen bei Unklarheiten auch zur schnellen Klärung des Problems. Die Erklärung zur Förderung ist klar und einfach gehalten, sodass auch ein Laie versteht, wozu diese Übung / dieses Spiel gut sein soll. 

Fazit Kapitel 1: Bewegungsspiele drinnen - Wenn das Wohnzimmer zur Turnhalle wird
Auf knapp 20 Seiten werden uns hier etwa 21 Förderspiele für drinnen präsentiert, die die verschiedensten Dinge fördern. So findet sich hier beispielsweise ein Fußgymnastikspiel, welches die Kraft der Fuß- und Wadenmuskulatur fördern soll, sowie Einfluss auf Körperkoordination und Gleichgewicht nimmt. Dieses Fußgymnastikspiel ist für mich zwar nichts neues, da ich dies vorher schon mit den Kindern beübt habe, die Erklärungen und Beschreibungen finde ich jedoch besonders gelungen. Dennoch bietet das Buch auch einige neue Anregungen, die wir in den letzten Tagen ein wenig in unsere Therapie mit einbauen konnten, aber auch einige alte Spiele (z.B. verstecken), sowie solche, die tatsächlich besser zuhause durchgeführt werden, als in der Physiotherapie.  

Fazit Kapitel 2: Bewegungsspiele draußen - Nur wer fällt, lernt wieder aufzustehen
10 Spiele - auf 12 Seiten. Einige der Spiele muss man nicht zwangsweise draußen spielen (Balancespiele, Korbball, Bewegungsparcours, Der Riese schläft), für andere braucht man entsprechendes Wetter oder sogar Schnee. Die ausgesuchten Spiele stellen, im Gegensatz zu den Spielen für drinnen, keine sonderlich neuen Ideen dar und mit ein wenig Einfallsreichtum kommt man auch selbst auf Dinge wie "Spazieren gehen", "Schubkarren fahren" oder "Parcours im Garten". 

Fazit Kapitel 3: Sehen und Beobachten - Schau mal genauer hin
Auf 14 Seiten finden sich etwa 15 Spiele, die mir in ihrer Vielfalt dann doch etwas besser gefielen, als die Spiele für draußen. Auch wenn die Ideen nicht zwangsweise neu sind und wir als Kinder die ein oder andere dieser Ideen auch ohne entsprechendes Buch schon umsetzten (Verkleidungskiste, Sammlungen anlegen), so empfinde ich dieses Kapitel doch als eine recht schöne Ansammlung verschiedenster Ideen, denn Anregungen für Kinder kann man niemals genug haben!

Fazit  Kapitel 4: Hören und Zuhören - Musik in meinen Ohren
5 Seiten bieten uns 7 Spiele, die das Hören und Zuhören fördern sollen und hier fand ich die Ideen nicht nur sehr einfalls-, sondern auch sehr abwechslungsreich. In unserem Beruf fördern wir nicht nur die Motorik der Kinder, sondern versuchen den Spagat zwischen Wahrnehmungsförderung und Bewegung, was sich nicht immer als ganz einfach entpuppt. Diese Spiele sind jedoch super mit verschiedenen Bewegungsangeboten zu verknüpfen und konnten mich vollends überzeugen!

Fazit  Kapitel 5: Schmecken und Riechen - Der Duft der großen Welt
10 Seiten - 9 Möglichkeiten. Die Ideen zum Schmecken und riechen sind als Physiotherapeutin nur schwer umzusetzen, für Eltern zuhause jedoch eine willkommene Möglichkeit, den Kindern abwechslungsreiche Möglichkeiten zur Entdeckung der Geruchs- und Geschmackswelt bieten zu können.  

Fazit Kapitel 6: Fühlen und Tasten - Die Welt be-greifen
18 Seiten bieten 14 Förderspiele zum Thema Fühlen und Tasten, die in unserem Kinderzentrum sowohl von uns Physiotherapeuten, als auch von den Erziehern stellenweise schon so angeboten werden. Dennoch sind einige tolle Spiele dabei, die ich unseren Pädagogen und meinen Kollegen auf jeden Fall einmal als Spielangebot vorstellen werde, denn einiges davon kann ich innerhalb meiner Therapie leider nicht selbst anwenden. Für Eltern sind hier jedoch ebenfalls tolle Tipps dabei, die Kinder im Bereich Fühlen und Tasten zu fördern. 

Fazit Kapitel 7: Malen, Schneiden, Kleben - Mal nicht im Malbuch
Auf 24 Seiten werden uns 23 Spiele vorgestellt, die ebenfalls eine tolle Anregung bieten, besonders für Eltern und Erzieher! Wie auch die vorgestellten Spiele in Kapitel 6 eigenen sich diese Spiele jedoch weniger für die Physiotherapie, weswegen ich diese wohl eher weniger mit den Kindern ausprobieren werde. 

Fazit Kapitel 8: Werken mit Holz, Stein, Stoff - Meiner Hände Arbeit
10 Seiten bieten 7 Spiele, die ich als Privatperson richtig toll finde. Dabei sind einige gute Ideen, die für Eltern, wie auch Pädagogen, Tagesmütter etc. eine tolle Abwechslung zum Alltag darstellen. Auch wenn die Ideen (z.B. Kartoffeldruck, Kette aus Büroklammern) sicherlich nicht neu sind, so sind sie doch eine schöne Sammlung an alt bewährtem. Für die Physiktherapeutische Behandlung eignen sich diese Ideen nun zwar weniger, dafür bietet das Buch in den Anfangskapiteln umso schönere Ideen. 

Fazit Kapitel 9: Gekauftes Spielzeug - Sinn-volle Investitionen
Auf 11 Seiten erhalten wir 11 Spiele bzw. Anregungen zum Spielzeugkauf, die ich so eigentlich ganz gut finde. Hier erhalten wir Tipps wie Hüpftiere/-bälle, Bälle an sich, Rollbretter und viele tolle Anregungen, die wir stellenweise auch in der Physiotherapie anwenden und die bei Kindern häufig sehr gut ankommen. Dazu gibt es einige Erklärungen oder auch Tipps, Informationen und Beispiele. Ein ergänzendes, sehr schönes Kapitel!

Fazit Kapitel 10: Im Urlaub, in Auto, Bahn, Flugzeug - Spiele aus der Handtasche
9 Seiten zeigen uns 8 Spielangebote und besonders die Fingerspiele gefielen mir besonders gut, denn "für zwischendurch" sind diese besonders geeignet. Auch die Idee der "Autoschatztruhe" fand ich richtig toll und ich bin sicher, dass viele Eltern von diesen der ein oder anderen Idee profitieren könnten.

Fazit Kapitel 11: Feste und Geburtstage - Viel Spaß, wenig Stress
Kapitel 11 beginnt mit einer Art kurzen Einleitung, die ein paar Tipps und Tricks für die Planung des wohl ersten bewussten Geburtstag / Festes des Kindes gibt und hier den Eltern sinnvoll unter die Arme greift. Auch die vorgestellten Spiele (3 Stück, dafür mit vielen Ideen und Vorschlägen) fand ich ebenso einfallsreich wie vielfältig und ich bin sicher, dass die kleinen Racker durchaus auf ihre Kosten kommen werden. 

Fazit Kapitel 12:Serviceteil
Der Serviceteil beinhaltet zuallererst ein Glossar, welches die verwendeten (ergotherapeutischen) Begriffe kurz nennt und erklärt. In der Kurzübersicht I gibt es jeweils mehrere Tabellen mit meist 4-5 Vorschlägen für z.B. ein Kind, viele Kinder, Regenwetter, Tobespiele, Wartezeiten und Beruhigungsspiele. Die Kurzübersicht II bietet jeweils Tabellen nach dem jeweiligen Förderbereich (Grob-/Feinmotorik, Körper-/Eigenwahrnehmung, Umgebungswahrnehmung und Kognition). Ich persönlich erachte diesen Serviceteil als äußerst wertvoll, denn er bietet die optimale Möglichkeit um sich schnell für ein Spiel entscheiden zu können, individuell nach Situation und Förderbedarf. Auch das Glossar finde ich sinnvoll und wohlüberlegt.

GesamtfazitInsgesamt empfinde ich das große Förder-Spiele-Buch (2-4 Jahre) als eine tolle Investition für alle, die mit Kindern dieser Altersgruppe zu tun haben. Sowohl für Eltern, als auch für Pädagogen oder Therapeuten bieten sich hier vielerlei Möglichkeiten, die Kinder abwechslungsreich zu beschäftigen, egal ob langfristig, oder als kurze Abwechslung innerhalb einer Therapieeinheit. Die Spiele sind in aller Regel schnell vorzubereiten und können, bis auf wenige Ausnahmen, direkt gestartet werden. Die Aufmachung der einzelnen Kapitel und "Spiele-Seiten"  gefiel mir persönlich äußerst gut, denn es ist nicht nur übersichtlich gestaltet, sondern auch relativ kurz gehalten. Das Wichtigste ist auf einen Blick zu erfassen und die Beispielbilder verschönern das Ganze optisch. Das viele der Ideen nicht gerade neu sind und man sie sicherlich damals selbst schon gespielt hat, empfinde ich eher als positiv, denn man kann nicht ständig das Rad neu erfinden und altes hat sich schon häufig bewehrt. Außerdem braucht man oft erst wieder diverse Anregungen, um sich an solche Spiele erinnern zu können, weswegen dieses Buch auf jeden Fall eine tolle Möglichkeit bietet, die Kinder individuell zu fördern. Der Serviceteil ist eine tolle Zugabe und ich würde ihn auf keinen Fall missen wollen, denn neben einem erklärenden Glossar bieten sich hier viele Tabellen, die eine schnelle Entscheidung (je nach Situation und Förderbedarf) erleichtern. 


Wertung: 5 von 5 Sterne!

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