Sonntag, 27. August 2017

[Fachbuch-Rezension] Christiane Seiler - Nicht verzagen trotz Muskelhypotonie: Perspektiven bei Entwicklungsverzögerungen

Inhalt
"Dieses Buch ist bedeutungsvoll für alle, die persönlich oder beruflich mit entwicklungsverzögerten Kindern zu tun haben. Dabei steht die Muskelhypotonie mit ihren vielen Schattierungen im Fokus. Das Buch orientiert sich an den Fragen betroffener Eltern von Kindern mit Muskelhypotonie, wie sie nach Frühgeburt, bei Anpassungs-, Bewegungsstörungen und bei genetischen Syndromen vorkommt. 
Die Probleme entwicklungsverzögerter Kinder werden anschaulich exemplarisch und anhand von Dialogen dargestellt: Eltern berichten über ihre Sorgen, über die Suche nach wirksamen neurophysiologischen Therapien, über Erfahrungen mit dem Bobath- und Castillo Morales®-Konzept.und stellen Fragen, worauf die Autorin direkt antwortet. Dadurch entsteht ein tiefer Einblick in den familiären Alltag, der Therapeuten, Heilpädagogen und Kinderärzten ein Fenster zum Verstehen ihrer Klienten öffnet. 
Dieses Sachbuch mit Ratgeberanteil bietet Orientierung und wirbt um Verständnis. Es möchte besonders die Eltern von Kindern mit Muskelhypotonie ermutigen und exemplarisch Hilfestellung geben. Muskelhypotonie bedeutet nicht das Ende einer sensomotorischen Entwicklung, sondern steht am Anfang eines langsamen Weges." (Quelle: Amazon)
  
Infos zum Buch
Seitenzahl: 204 Seiten
Verlag: Springer Verlag
ISBN: 978-3662538470 
Preis: 19,99 € (Taschenbuch) / 14,99 € (E-Book)

Infos zur Autorin
"Die Autorin hat jahrzehntelange Berufserfahrung als Ergotherapeutin, hat eine eigene  Praxis für Ergotherapie, diverse päd. Lehrbefähigungen und leitet deutschlandweit Workshops für Therapeuten. Sie hat u.a. eine pädagogisch-psychologische Zusatzqualifizierung mit dem Zertifikat zur „Prozessbegleitung in Organisationen“ und ist Gastdozentin an der Europa Fresenius Fachhochschule Idstein für Studierende der Ergotherapie. Auch hält sie monatlich Seminare zum Thema „Entwicklungsverzögerung und muskuläre Hypotonie erkennen und behandeln“. Darüber hinaus hält sie Seminare im Ausland, z.B. in Österreich und Russland." (Quelle: Amazon)


Fazit
Wieso wollte ich dieses Buch lesen? Letztes Jahr kam ich in den Genuss, eine Fortbildung bei der Autorin machen zu dürfen, die mich sehr begeisterte. Aus diesem Grund wollte ich natürlich auch ihr neuestes Fachbuch mein eigen nennen, denn schon aus ihrem Kurs konnte ich sehr viel mitnehmen. 

Inhalt
# Geleitwort
# Vorwort 
# Danksagung 

1. Frühe Störungen werfen lange Schatten
2. Muskeltonus, Vitalität und Antriebsschwäche
3. Eltern auf der Suche nach Antworten
4. Auf den Stufen des Emporkommens
5. Zwischen Vermutung und Schockdiagnose
6. Die schwierige Eingliederung in Kita und Schule
7. Therapien bei Muskelhypotonie
8. Erprobte Tipps von Eltern
9. Kleines Wörterbuch zur Entwicklungsverzögerung

# Zum guten Schluss
# Literatur zum Weiterlesen, Verstehen und Ermutigen

Fazit
Christiane Seiler bietet uns mit dieser Lektüre nicht nur viele therapeutische Informationen, die wir selbst zur Behandlung nutzen können, sondern auch die perfekte Lektüre für Eltern betroffener Kinder. Mit ihrem angenehmen und gut verständlichen Schreibstil, wird die Lektüre zu einem gut lesbaren und flüssigen Fachbuch. Die verwendeten Fachbegriffe werden kurz erklärt und der Text nicht wissenschaftlich, sondern Eltern-gerecht formuliert - ein wesentlicher Pluspunkt! 

In "Nicht verzagen trotz Muskelhypotonie: Perspektiven bei Entwicklungsverzögerung" befasst sich die Autorin schrittweise mit der Problematik und baut darauf auf. Von der Definition der Muskelhypotonie, über die Verdachtsdiagnose bis hin zu Beschreibungen/Erklärungen dazu, welche Funktionen die Haltemuskulatur eigentlich erfüllt, bzw. inwieweit die Muskelhypotonie diese beeinträchtigt, greift Frau Seiler alles auf und bringt es uns näher. 

Sie bezieht sich nicht nur auf das Bobath-Therapiekonzept, sondern gibt auch Alltagstipps, die für Eltern betroffener Kinder leicht in den Alltag einzubeziehen sind und dem Kind nicht den Eindruck einer Behandlung vermitteln. Einige dieser Tipps konnte ich auch schon an die Eltern meiner Therapiekinder weitergeben und diese waren ganz begeistert von diesen Ideen! 

Neben vielen Patientenbeispielen, die uns die langjährige Erfahrung der Autorin mit dieser Problematik aufzeigen, gibt die Autorin auch Ratschläge zur Entscheidungsfindung was Kindertagesstätten, Heilpädagogische Einrichtungen und den Schulbesuch angeht. Außerdem versucht sie den Dschungel unterschiedlicher Therapiemöglichkeiten ein wenig zu Lichten. 

Besonders gut gefielen mir das Kapitel "Erprobte Tipps von Eltern", denn auch hier erhalten wir nicht nur ein paar gute Anregungen für die Therapie, sondern auch Eltern können lernen - von Eltern. Dabei achtet die Autorin auch auf physiologische Körperhaltungen und gibt Tipps, für die nicht immer zwangsweise die Anschaffung von etwas neuem notwendig ist - sondern beispielsweise eine alte, ausgestopfte Jeans schon von Nutzen sein kann! Auch gibt die Hilfsmitteltipps, sodass sich die Eltern in diesem Urwald an Möglichkeiten nicht ganz alleine fühlen müssen. 

Kapitel 9 bietet ein kleines Wörterbuch zur Entwicklungsverzögerung und erklärt verschiedene Fachbegriffe - ein toller Zusatz!

Gesamt: Insgesamt bin ich von diesem Fachbuch mehr als begeistert, insbesondere deswegen, weil es sich nicht um ein reines Fachbuch handelt, sondern genauso gut von Eltern gelesen und verstanden werden kann. Die Autorin verwendet viele Beispiele, die das ganze nicht nur greifbarer, sondern auch besser vorstellbarer machen und manchmal erlebt man - gerade als Therapeut - eine Art AHA-Effekt, da man an so manches Therapiekind denkt, bei dem der ein oder andere Tipp von Nutzen sein kann. 

Wertung: 5 von 5 Sterne!


Ein ganz herzliches Dankeschön an den Springer-Verlag, für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!


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